Ich habe gehofft ohne ein solches Posting auskommen zu können. Aber unterbewusst verdrängte ich stets, was irgendwann zur Gewissheit werden musste: Die Varianz ist schrecklich!!! Vorgestern habe ich etwas $3/$6 gespielt, $500 down. Gestern habe ich deswegen nur $2/$4 gespielt und nochmal $500 down. Das ist viel viel Geld für mich, damit könnte ich hier auf Gozo fast 2 Monate leben. Es läuft momentan wirklich sehr schlecht. Gerade auf $3/$6 fällt es mir sehr schwer Fuss zu fassen, denn der Spielstil ist ganz anderes als auf den niedrigeren Limits. Die Gegner sind viel looser und deutlich aggressiver. Gestern hat jemand mit Khigh auf einem 4connected Board am Turn gepurebluff-3-bettet, ich musste natürlich die beste Hand folden. In der nächsten Hand hat er mit seinem Qhigh Gutshot gegen mein besseren Qhigh OESD am River rausgebluffed. $100 weggefoldet und der Gegner zeigt mir stolz seinen Bluff. Ich bin sehr froh, dass ich mich beim Pokern so gut wie nie aufrege und immer sehr ruhig bleibe. Aber gerade jetzt merke ich, wie mich diese katastrophalen Sessions doch ein wenig aufwühlen. Es ist unglaublich, wie groß der psychische Einfluss vom Erfolg beim Poker auf das Leben außerhalb der Tische hat. Und dabei ist mein jetziger Swing das normalste der Welt. Was sind schon 200 Big Bets? So viel werde ich immer wieder verlieren. Und hoffentlich auch wieder gewinnen.
Um wieder Boden unter den Füßen zu finden habe ich gerade eine Session $1/$2 gespielt und bin auch $100 up gewesen, was ganz gut getan hat. Dennoch muss ich lernen, mich an die Aggressivität der höheren Limits zu gewöhnen, um aufsteigen zu können. Auf der anderen Seite will ich nicht Opfer des Peter Principle werden. Ich weiß, dass ich auf einem Limit wie $.5/$1 und $1/$2 sehr guter Winning Player bin und im Monat locker über $1.000 'sicher' hätte, was zum Leben ausreichen würde. Aber dennoch darf es nicht das Ziel sein ewig auf $.50/$1 zu grinden. Deswegen muss ich das Risiko eingehen und höhere Limits spielen, auch wenn es ziemlich down gehen kann und es keine Garantie für einen Plusmonat gibt. Letztendlich gibt es auch auf $3/$6 sehr viele schlechte Gegner.
Hier ein paar Erfahrungen, die ich auf den verschiedenen Limits auf Stars gemacht habe und wie ich die Limits beurteile. Diese Einschätzung ist sehr subjektiv, da ich das Ganze aus der Sicht eines $2/$4 Spielers beurteile. Sicherlich werden Winning $10/$20 Spieler die Limits ganz anders beurteilen:
$.5/$1 ⇒ Hier reicht es völlig aus, wenn man einfach nur sein Standardspiel spielt. Irgendwelche Fancy Moves, Rebluffs, super loose Calldowns sind nicht nötig. Ganz im Gegenteil, es reicht, wenn man gelernt hat in Ranges zu denken, seine Equity abschätzt und danach raised, called oder foldet. Wenn man keine zu großen Leaks hat, ist $.5/$1 sehr gut schlagbar. Wenn man mit diesem Limit Probleme hat, so vermute ich, dass man noch viele wichtige Grundlagen nicht ausreichend beherrscht.
$1/$2 ⇒ Ähnlich wie $0.5/$1, es reicht aus, wenn man sein Standardspiel durchzieht, dann wird man hier keine großen Probleme haben. Dennoch sind die Gegner keine Vollidioten mehr (zumindest nicht alle). Es gibt die ersten recht guten Spieler, die mit diesem Limit ganz gutes Geld machen und ebenso wie wir darauf aus sind die Fische auszunehmen. Genug Fische gibt es weiterhin, nur muss man zusätzlich lernen auch gegen die TAGs richtig zu spielen. Gegen Semibluffs nicht zu tight folden und dabei selbst etwas aggressiver spielen, da die Foldequity gegen TAGs meist hoch ist. Gerade hier findet man viele weake TAGs, die bei Widerstand Ahigh nur ungern zum Showdown bringen.
$2/$4 ⇒ Ich schätze das Limit deutlich anders als $1/$2 ein. Hier wird herumgeballert! Nach einem Openraise aus dem Smallblind ist die Wahrscheinlichkeit eine 3bet zu bekommen 50%. Und in den anderen 50% wird man nur gecalled um dann am Flop mit dem in Position Raise konfrontiert zu werden. Called man runter, wird man nicht selten Hände wie 64s gezeigt bekommen. Wer die Grundlagen vom Poker nicht verstanden hat, kann dieses Limit kaum schlagen. Mit einem 08/15 Standardspiel wird man vielleicht breakeven spielen, aber besser ist es kaum möglich.
$3/$6 ⇒ Wie auf den anderen Limits auch, viele schlechte Spieler. Aber dennoch gibt es hier auch sehr viele sehr gute Spieler, die sich auf diesem Limit schon seit vielen Monaten oder gar Jahren aufhalten und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie wissen wieviel Foldequity sie gegen TAGs haben und raisen zum Teil wild herum. Das gleiche gilt aber auch für die Fische. Die Fische sind zwar losing Player, aber nicht wie auf $.5/$1 callen sie jede Hand, hier wird einfach jede Hand geraised. Und gerne hätte man ein Pair und Ahigh, um sich einen guten Calldown einreden zu können. Doch in den meisten Fällen hat man nur Khigh oder schlechter und wird somit ständig mit Situationen konfrontiert, in denen man schwer einschätzen kann, ob man einen profitablen Fold, einen profitablen Calldown oder gar einen profitablen Rebluff hat.
Um hier Winning Player zu sein, muss man sehr gut in Ranges denken können und die Foldequity beim Pure- und Semibluffs gegen die gegnerische Range sehr gut einschätzen können. Einfach immer nur zu folden, wenn man nichts hat, reicht hier nicht mehr aus. Außerdem muss man lernen die Stats, bzw. Reads, richtig zu interpretieren, um die Aktionen der Gegner ausreichend gut beurteilen zu können. Man kann jeden Gegner nicht mehr gleich behandeln, weil sich die Gegnertypen hier sehr stark voneinander unterscheiden. Das heißt, dass die passiven Gegner weiterhin passiv spielen, während die aggressiven Gegner viel mehr geworden sind und noch deutlich aggressiver spielen.
Das heutige Foto zeigt das Einsiedlerhaus. Als ich im Westen der Insel an den Steilklippen spazieren war, stieß ich ganz überraschend auf ein kleines Häuschen, das auf einer dieser Klippen gebaut ist. Man findet das Häuschen nur sehr schwer, da es weit von den größeren Wegen entfernt ist. Um zum Haus zu gelangen muss man ein bisschen klettern, eine Treppe oder Leiter sucht man vergebens. Auf dem Foto sieht man die 'Terrasse' und den kleinen Garten des Einsiedlers. In dem zweiten kleinen Steinhäuschen auf der rechten Seite des Fotos hält der Einsieder ein paar Tauben. Auf einem weiteren Foto sieht man, wie versteckt sein Häuschen ist, man muss schon sehr genau hinsehen, um es zu finden. Der Einsiedler hat einen fantastischen Ausblick auf das Azur Window (siehe erstes Posting), auf den Sonnenuntergang und auf das weite, weite Meer.

Hmmm, ehrlich gesagt macht mir dein posting angst und bange. Wenn ich überlege wie unendlich viel du weisst ... ich hoffe für dich, und ein bisschen auch für mich, das es einfach nur ein Downswing ist. Wie würdest du den selbst die Sessions beurteilen? Hast du grobe Spielfehler mit drin? - Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Sind deine Karten überdurschnittlich oft nicht angekommen? - Vielleicht solltest du beim nächsten Aufstieg auf 3/6 mal die Tischanzahl runter schrauben bis du dich an den Gameflow gewöhnt hast, du Spielst ja momentan 6 Tische, ne? Und schau nicht so auf die 1k Hände am Tag. Lieber 500 mit + also 1000 mit -
AntwortenLöschenAber du weisst ja, ich Spiel .10/.20 und alles was ich sage, kann grober Unfug sein ;)
Viele Grüße
Sascha
Hej Sascha, wollte Dir keine Angst machen, aber Du sollst ja auch realistisch einschätzen können, was auf Dich zukommt. Aber keine Sorge, bis $3/$6 liegen noch fünf Limits vor Dir und bis dahin hast Du noch sehr viel dazugelernt!
AntwortenLöschenAlso ich würde sagen, dass ich in den Sessions schon sehr schlecht gerunnt bin. 2k Hände mit ca. -10BB/100 ist halt immer schlecht gerunnt. Aber ich bin halt unzufrieden, weil ich mir sicher bin, dass ich noch viel viel besser hätte spielen können. Es war halt nicht so, dass ich sinnlose Plays gemacht habe, aber ich habe halt nicht genug auf die Gegner adaptet. Nicht so, wie man es machen muss, wenn man das Limit erfolgreich spielen möchte. Aber es gab viele neue Situationen, die mich 'überfordert' haben, da ich sie von niedrigeren Limits nicht kannte.
Was macht man, wenn Du aus dem Small Blind openraised und die Big Blinds immer 3betten und Du mit Deiner Trash 60% Range fast jeden Flop c/f musst? Es gibt Wege dagegen zu adapten, aber man muss sich dann klar von einem Standard-Autopilotenspiel lösen.
Hi,
AntwortenLöschenich sehe für mich eigentlich, dass es in Teilen schwerer auf .50/1 und 1/2 war als auf 2/4. Wenn man sich erst einmal ein bisschen auf diesen LAG-Style eingestellt hat, sollte es gehen. Auf den erstgenannten Limits scheinen sich aber die ganzen Pokerschüler aufzuhalten und das Leben wird dort entsprechend schwer gemacht.